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Kreditlinien für die Banken

Von RA Amos Hacmun

Veröffentlicht im Wirtschaftsmagazin Globes
zitiert in dem Artikel "Overdraft Bypass", veröffentlicht in "Financial Consuming" im Wirtschaftsmagazin Globes

November 2005

Eine Anweisung der israelischen Bankenaufsicht, welche zum 1. Januar 2006 in Kraft treten wird, verbietet es den Banken, die Kreditlinien von Konten, Girokonten und Darlehen überziehen zu lassen. Weite Teile der israelischen Öffentlichkeit sehen in der Anweisung einen Erlass, der den Bankkunden weh tun und ihnen harte Zeiten bescheren wird. Gleichwohl gilt es zu bedenken, dass diese Anweisung den Banken den rechten Weg aufzeigen soll. Wir sollten den Prozess als eine nationale Aufgabe ansehen, welche die Stärke des gesamten israelischen Bankensystems sichern könnte.

Gemäß der Aufsichtsanweisung sind Überziehungen ohne das Wissen und die Zustimmung des Kunden nur noch in Ausnahmefällen möglich. Der Kunde soll wissen, was seine Kreditlinie ist und muss sie im voraus schriftlich bewilligen. Laut Yoav Lehman von der Bankenaufsicht ist das Hauptproblem der gegenwärtigen Situation die strukturierte Ungewissheit des Kunden, dessen Konten ausserplanmäßig überzogen sind. Der Kunde weiss nicht, welche Kreditlinie ihm praktisch zur Verfügung steht und kann sich daher nicht sicher sein, ob die Bank seine verchiedenen Verpflichtungen erfüllt, die auf sein Konto eingehen, wie Schecks oder Lastschriften.

Das Machtwort der Bankenaufsicht läßt zu der Schlussfolgerung kommen, dass die Festsetzung von neuen Kreditlinien Gewissheit fördern wird. Auf diese Weise werden Kunden, anstelle zu beten und auf die Gnade der Bank zu hoffen, im Vorhinein wissen, ob die Bank die gezogenen Schecks einlösen wird. Nach Ansicht der Bankenaufsicht wird diese Gewissheit helfen, das Aufkommen von ungedeckten Schecks zu vermindern, und letzlich ermöglichen, das Gesetz gegen ungedeckte Schecks umzusetzen. Medienanalysen besagen, dass in Zukunft die Banken die Kreditlinien erhöhen und die Kontosalden mit den Kreditlinien in Einklang bringen werden.

Den Kunden mit chronischer Überziehung den ständigen Druck durch die Bank zu nehmen, kann für sich genommen einen eigenständigen Vorteil darstellen. In vielen Fällen haben die Banken ihren Kunden über viele Jahre hinweg erlaubt, ihre Kreditlinien zu überziehen, so dass dies zur Gewohnheit in der Beziehung zwischen Kunde und Bank wurde. Diese Gewohnheit dauerte solange an, bis ein neuer Filialleiter eingesetzt, die Bankpolitik geändert oder etwa ein (nicht notwendigerweise wahres) Gerücht über die finanzielle Situation des Kunden bekannt wurde. In solchen Fällen änderten die Banken ad hoc die Spielregeln und beriefen sich auf die vereinbarte Kreditlinie. Die Banken ließen ihre Kunden durch die Versagung weiteren Kredits auflaufen - mit zum Teil verheerenden Konsequenzen.

Bei allem Respekt für die Ungewissheit der Kunden, so scheint es doch, dass ein anderer Unsicherheitsfaktor viel gefährlicher ist, nämlich der für das gesamte Bankensystem. Laut inoffizieller Veröffentlichung liegt der Umfang der Überziehungen des Kreditlimits im israelischen Banksystem insgesamt bei 50 Billionen NIS. Zum Vergleich: das Eigenkapital der fünf grössten Bankgruppen in Israel (Hapoalim, Leumi, Discount, Hamizrachi und First International) liegt zusammen bei etwa 47 Billionen NIS. Wir müssen also davon ausgehen, dass das Eigenkapital des gesamten Banksystems, mehr oder weniger, dem Gesamtüberziehungsvolumen oder wie die Banken es sehen, Krediten, deren Risiko höhere Zinsen rechtfertigt, entspricht. Das ist ein alarmierender Aspekt, denn über das normale Kreditrisiko hinaus, das zum normalen Geschäftsverlauf zählt, sehen sich die Banken einer neuen Situation gegenüber, in welcher die Sonderkredite, welche als Risikokredite ohne besonder Prüfkriterien definiert sind, das Niveau des Eigenkapitals erreicht haben. Dem können sich die Banken nicht länger verschliessen und so tun, als handele es sich um gute Kredite, welche der Kunde sowieso erhalten hätte. Es scheint, dass es eben dieses Phänomen ist, dass die Bankenaufsicht zu beenden fordert. Die neue Anweisung zwingt die Banken, sich des Problems der Sonderkredite anzunehmen und sie auf die gleiche Weise zu behandeln, wie alle anderen Kredite auch: mit wirtschaftlicher Kreditanalyse, den richtigen Erwägungen und klarer und geordneter Datendokumentation.

Es gab keinen lauten Widerspruch seitens der Banken, obwohl die Befolgung der Anweisung zu einer Verringerung der Einnahmen aus Überziehungszinsen führen könnte, die derzeit etwa 2 Billionen NIS pro Jahr betragen. Diese relative Ruhe lässt vermuten, dass die Banken die gefährliche Grösse des Phänomens, welches intensiv angegangen werden muss, vergegenwärtigt haben. Die Banken verstehen außerdem, dass es keinen Sinn hat, die Konfrontation mit der Bankenaufsicht zu suchen, sondern, dass es besser ist, andere Wege zu suchen, den zu erwartenden Einkommensverlust durch den Umwandlungsprozess zu kompensieren. Es scheint also, dass die Banken verstanden haben, dass die Entscheidung für mehr steht als den Willen, den Kunden Gewißheit zu verschaffen und das Aufkommen ungedeckter Schecks zu reduzieren.

Der Anweisung der Bankenaufsicht liegt das tiefe Anliegen der Stabilität des israelischen Bankensystems und dessen langfristige Stärke zu Grunde, welche über das tägliche Leben der Kunden hinaus reichen. Es scheint, dass die Hauptpflicht der Bankenaufsicht, die Stabilität des israelischen Bankensystems zu gewährleisten, diesmal mit erfrischender Weisheit wahrgenommen wird. Der mit der Entscheidung eingeleitete Umbruch und die verlautbarten Erklärungen, welche von den israelischen Medien wohl verstanden wurden, verdienen Respekt. 

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